Lars Mennenga
Ihr Anliegen wird mein Auftrag


Seit Jahren beschäftige ich mich mit Politik. Kommunalpolitik ist ein Ehrenamt, kein Beruf. Wir stecken Freizeit hinein, Abende, Wochenenden, oft ohne dass es jemand bemerkt. Und trotzdem frage ich mich in letzter Zeit immer öfter: Warum eigentlich?
Eines vorweg, weil es mir wichtig ist: Ich grenze mich klar von jeder Art von Extremismus ab. Wer Eigentum zerstört oder kritische Infrastruktur angreift, hat mit dem, wofür ich stehe, nichts zu tun. Punkt. Aber die Diskussionen waren noch nie so aufgeladen wie jetzt. An Wahlständen werden wir angespuckt und beschimpft. Vor unser Büro werden Mülltonnen gestellt, Scheiben beschmiert, zugeklebt. Im Juli wurden uns in Larrelt und Wybelsum sämtliche Wahlplakate abgerissen. Alle. Für Forderungen wie Bildung für alle, mehr Leben statt weniger Kosten, wohnen darf kein Luxus sein, kurze Wege gute Medizin...                               Ich frage ernsthaft: Was kann man dagegen haben?
Wir setzen uns für Menschen ein, die in dieser Gesellschaft kaum gehört werden. Kinder, Jugendliche, alte Menschen, Menschen mit Beeinträchtigung. Wir stehen für den ganz normalen Arbeiter, für die Mittelschicht. Und wir finanzieren uns anders als andere: keine Großspenden von Unternehmen, sondern Mitgliedsbeiträge. Jedes Plakat, jeder Flyer ist von unseren Mitgliedern bezahlt. Wer mehr hat, gibt mehr. Wer wenig hat, bringt sich anders ein. An dieser Philosophie ist nichts, was Hass verdient.

  • parteispenden_nach_partei
  • spenden_parteien_infografik
  • pmk_2025_infografik


Unsere Gesellschaft hat sich angewöhnt, nach unten zu schauen. Wirtschaftlich Schwächere werden zur Ursache erklärt, immer wieder, nach demselben Muster: Rentner werden zu alt und zu teuer, Arbeitslose wollen angeblich nicht arbeiten, Ausländer sind schuld. Ist das so? Nein. Es ist Kapital, das Angst und Hass schürt. Wer wissen will, wer verantwortlich ist, muss dem Geld folgen.
Jahrzehntelang wurde gespart, ausgerechnet in einer Zeit, in der Geld nie günstiger war. In Schulen wurde nicht investiert, Straßen verfallen, Krankenhäuser schließen, weil sie unterfinanziert sind. Wohnraum wird knapp und teuer. Medikamente sind teuer, weil Aktienkonzerne damit ein Heidengeld verdienen. Krankenhäuser müssen bestimmte DRG-Fallzahlen erreichen, um weiterbetrieben zu werden, also wird lieber operiert, als andere Wege anzubieten. Und jetzt, im Sommer 2026, zeigt sich wieder, wer an der Ölkrise verdient: die Ölindustrie, mit gewaltigen Gewinnen. Bezahlt haben wir das, an der Tankstelle, an der Kasse. Auch in Emden gibt es Leerstand, während Menschen mit viel Geld Gebäude als Investment halten, wegen Steuervorteilen, statt sie Menschen als Zuhause zur Verfügung zu stellen. Das ist nur ein Ausschnitt.


Der Unmut in diesem Land entsteht, weil es Parteien gibt, die genau dieses System am Leben halten. Konservative und rechte Parteien fördern diese Zustände, das lässt sich nachlesen: die vielen Korruptionsfälle, die in den letzten Jahren rund um CDU-Abgeordnete aufgedeckt wurden. Und jetzt sollen ausgerechnet die Gesetze geschwächt werden, die solche Aufdeckungen erst möglich machen. Das ist kein Randthema.
Die AfD hat verstanden, wie man Menschen manipuliert. Früher gab es viele Splitterparteien am rechten Rand, heute bündeln sie sich in dieser einen. An Scheinheiligkeit ist sie kaum zu überbieten. Ein ganz normaler Sommer, wie es ihn immer gab, wird plötzlich zum Argument für Klimaanlagen, die Forderung an sich ist nicht falsch, nur die Motivation dahinter ist durchsichtig. Als Bauern wegen der Agrarsteuer auf die Straße gingen, griff die AfD das Thema sofort auf und versprach, sich dagegen zu stellen, dieselbe AfD, die eigentlich sämtliche Subventionen streichen will. Solche Beispiele gibt es viele. Man muss nur hinschauen.
Und dann das Thema, das gerade viele beschäftigt: Migration. Es gibt Kriegsflüchtlinge, Wirtschaftsflüchtlinge, Klimaflüchtlinge, drei sehr unterschiedliche Gründe. Für mich ist klar: Wir können helfen, aber nicht grenzenlos. Irgendwann kollabiert ein Sozialsystem, das ist keine Ideologie, das ist Mathematik. Aber, und dieses Aber ist mir wichtig, viele dieser Probleme sind hausgemacht. Wir beuten die Umwelt aus, Naturkatastrophen, die Menschen aus ihrer Heimat treiben, sind oft menschengemacht. Wir liefern Waffen in Kriege, mischen uns ein, wollen Demokratie in Regionen bringen, die dafür nicht bereit sind, und lassen die Menschen danach allein. Wir machen Länder abhängig und beuten sie aus. Wer das anstößt, sollte sich nicht wundern, wenn Menschen fliehen.


Als Atheist sind mir Religionen egal. Sexuelle Orientierung ist mir egal. Jeder soll leben, wie er will. Ich bin mir aber sicher, dass es Menschen gibt, die sich nicht integrieren wollen oder können, und die haben in diesem Land nichts zu suchen. Der Islam wird dabei oft pauschal in Verbindung gebracht, dabei gibt es weltweit rund zwei Milliarden Gläubige, die meisten davon leben friedlich. Politischer, extremistischer, gewaltbereiter Islamismus gehört nicht dazu, das ist etwas anderes und sollte auch so benannt werden.
2015, als Merkel "Wir schaffen das" sagte, wurden Fehler gemacht. Wir hinken bei der Digitalisierung hinterher, manche Behörden arbeiten heute noch mit Faxgeräten, es gab keine zentrale Datenablage. Warum wurden nicht flächendeckend Fingerabdrücke erfasst und zentral gespeichert? Wo betrogen werden kann, wird betrogen, Doppelanmeldungen hätte man so verhindern können. Passiert ist seitdem in diese Richtung wenig bis nichts.
Unsere Demokratie ist in Gefahr, von außen und von innen. Wer bespuckt, beschimpft, Plakate abreißt oder Büros beschmiert, bekämpft nicht uns, sondern das Gespräch selbst. Ich mache trotzdem weiter, ehrenamtlich, für die, die sonst niemand vertritt.



Instagram